AW: Einsteigerwissen für bessere Bilder
Thema: Optimales Ausbelichten
Ich hatte vor kurzem mal mit Manfred 'kuni-r' korrespondiert zwecks MiniLabs, ihrer Verbreitung und vor allem ihren Möglichkeiten, auszubelichtende Bilder mit eingelagerten Farbprofilen zu verarbeiten. Daraus ergab sich dann eine Methode, wie man idealerweise vorgeht, um optimale Papierbilder zu erhalten. Folgende Empfehlungen können nur dann optimale Papierbilder ergeben, wenn eine wichtige Voraussetzung gegeben ist:
Bildschirmkalibrierung
Der eigene Bildschirm muß farbrichtig anzeigen, sollte also am besten kalibriert sein. Es gibt drei Wege: Ein vom Hersteller mitgeliefertes Profil in Windows verwenden - das funktioniert bei mir hervorragend - oder von Hand Kontrast und Farben einstellen mit den im FixFoto-Forum angebotenen Hilfen und Links oder per Kalibriergerät. Es gibt dafür für den Hausgebrauch diverse Hersteller erschwinglicher Geräte, z.B. Colorvisions Spyder2 bzw Spyder ColorPlus, Pantones Huey oder Gretag MacBeths Eye One. Für erstere zwei Hersteller gibts im Forum diverse Beiträge mit allerlei Tips zum Umgang mit den Geräten.
Normlicht
Diese Geräte verändern in der Regel die Anzeigeeigenschaften der Grafikkarten, damit der Monitor farbrichtig anzeigt. Wenn man es genau nimmt, gilt das nur unter Normlicht. Meist meint man damit ein der Sonne ähnliches Kunstlicht, genormt nach ISO-Norm ISO 3664 und üblicherweise mit einer Farbtemperatur von 6500 Kelvin, was dann Normlicht D65 heißt. Es gibt aber z.B. auch D50, D55 oder D75.
Additive vs. Subtraktive Farbdarstellung
a) Monitor
Ok, hat man nun einen kalibrierten Monitor, kann man davon ausgehen, daß sowohl die Farb- als auch die Helligkeitsdarstellung optimal ist, also digitale Bilddaten unverfälscht dargestellt weriden. Nun besteht aber ein grundlegender Unterschied, wie Farben am Bildschirm und auf dem Papier erzeugt werden. Der Bildschirm realisiert dies, indem er drei Grundfarben an Licht, nämlich Rot-Grün-Blau erzeugt, diese mischt und in unser Auge sendet.
b) Papier
Es mag sich trivial anhören, aber Papier erzeugt kein Licht. Folglich muß der Farbeindruck auf andere Weise entstehen. Dies geschieht, indem Farbstoffe entweder im Papier aktiviert (Ausbelichten, 'echte' Fotos) oder aufs Papier aufgebracht werden (alle Arten von Drucken). Auch hier entscheidet die Mischung über die resultierende Farbe. Physikalisch gesehen wird bei Farbstoffen Licht gefiltert. Das was nicht gefiltert wird - daher subtraktiv - wird wieder abgestrahlt und erreicht unser Auge. Weil hier Teile des - idealerweise weißen - Beleuchtungslichtes weggefiltert werden, also weniger zurückgestrahlt als beleuchtet wird, kann logischerweise ein Farbstoff niemals so hell strahlen wie die selbstleuchtenden Pixel eines Monitors.
Nur mit Tricks - UV-Wandler im Farbstoff - kann man Farbstoffe heller strahlen lassen. Hierbei wird ein Teil des im weißen Licht enthaltenen UV-Anteils in eine gewünschte sichtbare Farbe umgewandelt. Dies ergibt dann die sogennanten Leuchtfarben.
Profilierung bei MiniLabs
Es soll hier nicht um Empfehlungen gehen, Bilder mit einem anderen als dem sRGB-Farbprofil, z.B. einem Adobe-RGB dem Ausbelichter anzuliefern, sondern nur um eine Beschreibung der Umstände. Dies deshalb, weil - laut Schätzung von Manfred - derzeit nur Minilabs von Fuji und das Agfa d-Lab überhaupt mit Farbprofilen umgehen könnten. Könn
ten deshalb, weil selbst wenn die Möglichkeit vorhanden ist, heißt das noch lange nicht, daß der Dienstleister diese Option seiner MiniLab-Maschine auch wirklich nutzt und aktiviert hat.
Die Einschätzung lautet, daß überhaupt nur Fachlabore Farbprofile verwenden und wie gesagt, sicher nicht alle. Die meisten davon dürften im ALR
http://www.alr-fotofachlabore.de organisiert sein. Jetzt muß man nur noch herausfinden, welche von denen ein Frontier- oder Agfa dLab-Minilab hat. Idealerweise ist das MiniLab ebenfalls profiliert, so daß es Bilddaten digital korrekt mit eingelagerten Profilen verarbeitet.
Kalibrierung bei MiniLabs
Zusätzlich hat man bei diesen Maschinen aber noch einen weiteren wichtigen Einflußfaktor. Das MiniLab muß auch prozeßtechnisch, also chemisch richtig eingestellt sein. Das kann man als die Kalibrierung des MiniLabs verstehen. Die Ausbelichtung ist ja ein chemischer Vorgang. Diese chemische Einstellung ist aber sehr viel wichtiger als die Verwendung von Farbprofilen. Man kann davon ausgehen, daß ein optimal chemisch eingestelltes MiniLab optimal vom Benutzer vorbereitete Bilder auch optimal ausbelichten wird. Dies wird so gut sein, daß man praktisch keinen Unterschied zu einem MiniLab sehen wird, das zusätzlich noch Farbprofile berücksichtigt.
Dies wiederum liegt daran, weil der Farbraum des Papiers, also die Anzahl darstellbarer Farben, um einiges geringer ist, als bei sRGB. Der noch größere Farbraum Adobe-RGB kann hier also keine Vorteile bringen und die Praxis beweist es auch. Nach Manfreds Einschätzung sind ohnehin sogar weniger als 10% der MiniLabs in Deutschland profiliert. Man kann also getrost Farbprofile beim Ausbelichten vergessen. Dafür seien aber mehr als 80% der MiniLabs korrekt chemisch eingestellt und darauf kommts im Endeffekt an.
Umgekehrt, verarbeitet ein MiniLab Farbprofile in Bildern, ist aber chemisch schlecht eingestellt, kommen nur Schrottbilder aus der Maschine. Letztendlich reicht eine Nachfrage beim Ausbelichter nicht, ob das MiniLab profiliert ist, um sicher zu sein, daß man auch optimale Papierbilder erhalten wird. Es bleibt nur das Ausprobieren oder auf die Empfehlungen anderer Leute zu hören, die mit dem Ausbelichter schon Erfahrungen gesammelt haben.
Wie Bilder fürs Ausbelichten vorbereiten?
Auch mit einem nichtkalibrierten Monitor vorbereitete Bilder werden auf korrekt chemisch eingestellten MiniLabs hervorragend herauskommen. Insbesondere dann, wenn der Dienstleister an der Maschine die Bilder noch optimiert, wie es sich für einen Fachbetrieb gehört. Dies ist also eine Option für noch nicht so erfahrene Bildbearbeiter am PC. Man kann sich auf eine einfache Optimierung im Rahmen des eigenen Wissens beschränken, achtet vor allem auf den Bildausschnitt und überläßt den Rest dem Ausbelichter.
Farbprofile/Softproofs von MiniLabs am eigenen PC
Wer es optimal möchte, richtet sich nach folgenden Empfehlungen. Gut, nachdem wir wissen, daß unsere Bilder vom kalibrierten Monitor zwangsläufig auf Papier anders aussehen werden, könnte man auf die Idee kommen, die Papierdarstellung am Monitor zu simulieren. Das heißt, man möchte am Monitor einen möglichst guten Eindruck davon bekommen, wie die Bilder nachher auf Papier aussehen werden.
Und es gibt eine Lösung dafür: Man besorgt sich von einem Fuji- oder Agfa dLab die Farbprofile, auch Softproofs genannt, z.B. dlab_prestige_digital.icm oder FF_Frontier_Print_sRGB.icc oder Fuji_Frontier-sRGB_CA-Type-II_V2.icc etc. Letztere Datei ist bei mir 822 KB groß und befindet sich nun im "Windows"-Verzeichnis (Name je nach Betriebssystem verschieden) und dort im System32-Spooler-Driver-Color-Verzeichnis. In dieses Verzeichnis kopiert man also alle vom Ausbelichter erhaltenen Dateien. Wichtig auch: Das Fuji-Frontier kann nur 8 Bit-Bilder verarbeiten, also ggf. 16 Bit TIFFs in 8 Bit wandeln!
Es bleibt als letzter Schritt, in FixFoto die Farbprofilverwendung zu aktivieren. Dafür geht man im Menü 'Ansicht'...'Farbverwaltung' zuerst auf Monitorprofil, es wird zwingend benötigt. Man kann dafür entweder ein mit dem Monitor mitgeliefertes verwenden oder eines, das mit einem der oben erwähnten Geräte erzeugt wurde. Als nächstes wählt man unter Ausgabeprofil dasjenige Profil des gewünschten Ausgabegerätes, also hier des MiniLabs. Es könnte aber auch das des eigenen Druckers sein.
Wie man nun im Menü 'Ansicht'...'Farbverwaltung' sieht, sind diverse Menüpunkte aktiviert. Daneben findet man Tastenkombinationen, um einfach zwischen der Anzeigeart hinundher zu schalten. Zum Beispiel schaltet man mit Umschalt+2 auf die Anzeige mit Ausgabeprofil um und sieht nun das Bild - näherungsweise - wie es bei Ausgabe auf Papier aussehen würde. Nun könnte man das Bild so verändern, daß es optimal herauskäme.
Mit Umschalt+1 schaltet man auf das Monitor-Profil um und mit Umschalt+0 schaltet man die Farbverwaltung ab. Zwischen Umschalt+0 oder +1 kann sich evtl. keinerlei Anzeigeänderung ergeben, wenn man schon in Windows sowieso ein Monitorprofil geladen hat. Übrigens, bei meinem Monitor ist das mitgelieferte Profil schon sehr gut.
Farbdruck der Druckerei
Druckereien verwenden meist - für DigiFotografen - exotische Farbräume. Je nach Druckverfahren könnte das CMYK oder RGB oder aber Hexachrome sein. Hierfür ist eine Profilverarbeitung zwingend nötig, weil sich sonst große sichtbare Abweichungen ergeben können und auch, damit man reproduzierbare Ergebnsse erhält bzw. die Druckerei und der Bildlieferant über den selben Farbton sprechen, wenn jeder vor dem eigenen Monitor sitzt.
Gutes Gelingen,
Ralf
PS. Hier noch ein Link zum Auffinden professioneller Fotodienstleister - u.a., um Anbieter mit MiniLab zu finden:
http://www.alr-verband.de